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Neue Aktivitäten der „Identitären“

Im oft unübersichtlichen Treiben der französischen Rechtsextremisten mischten in den vergangenen Wochen auch die Identitären wieder stärker mit. So hielt der rechtsextreme außerparlamentarische „Bloc identitaire“ am 3./4. November eine Tagung im „Prinzenpalast“ im südfranzösischen Orange ab.

Im oft unübersichtlichen Treiben der französischen Rechtsextremisten mischten in den vergangenen Wochen auch die Identitären wieder stärker mit. So hielt der rechtsextreme außerparlamentarische „Bloc identitaire“ am 3./4. November eine Tagung im „Prinzenpalast“ im südfranzösischen Orange ab. Anlass dafür unter der Bezeichnung „Convention identitaire“ war dessen 10jähriges Bestehen.

In den Jahren 2002/2003 entstanden, war der Bloc gerade in der jüngsten Vergangenheit durch immer neue Divergenzen charakterisiert, versuchte aber dennoch nun einen neuen strategischen Kompromiss zu finden. Auf die Idee, sich als politische Partei zu etablieren, wollen die „Identitairen“ verzichten, um stärker ihren Bewegungscharakter zu betonen (aus ihrer Sicht ihre „Natur“ als Ausdruck einer Gegenkultur). Teilweise engagieren sich Identitaire aber auch kommunalpolitisch, streben nach Bündnissen im rechtsextremen Spektrum, was jedoch von der Hauptkraft der Rechtsextremen in Frankreich, dem Front Nationale unter Marine Le Pen strikt abgelehnt wird.

Zur „Convention“ kamen von 800 Eingeladenen etwa 500 Personen, vor allem deutlich weniger aus dem Ausland als erwartet. So blieben zum Beispiel die FPÖ und die belgisch-flämische Vlaams Belang fern. Was sich hinter den Phrasen vom Dreiklang der zu verteidigenden Identitäten – regionale, nationale und europäische – und vom immer wieder beschworenen Kampf gegen die „islamische Bedrohung“ verbirgt, nämlich offener, brutaler Rassismus, brachte der ultraradikale Vertreter der norditalienischen Lega Nord, Mario Borghezio (Abgeordneter im EU-Parlament), mit seiner fanatischen Hetzrede zum Ausdruck. Er tönte in Orange durch den Saal: „Man muss das Buch, die Ideen einsetzen, aber auch den Stock. Man muss knüppeln, wenn es notwendig ist!“ und „Ein Volk, das ist das Blut, die Ethnie, die Tradition und unsere Vorfahren! Es leben die Weißen in Europa! Es lebe unsere Rasse!“ Weil den Veranstaltern das Auftreten dieses „Oberspinners“ selbst Angst machte, schlossen sie den Vertreter der französischen Nachrichtenagentur AFP, der Borghezios Ausfälle gemacht hatte, von den weiteren Beratungen aus. Akzeptiert wurde dagegen die Anwesenheit einiger Vertreter deutscher rechtsextremer Publikationen wie Götz Kubitschek von „Sezession“ aus dem Institut für Staatspolitik in Schnellroda.

Eine Woche später fand in Paris eine Demonstration von geschätzt 1000 Teilnehmern aus dem Feld der Identitären statt, die Mehrheit davon im mittleren und fortgeschrittenen Alter. Getragen wurde als Fronttransparent „Der islamische Faschismus wird nicht durchkommen!“ Aufgerufen hatten formell rund 40 Strukturen aus diesem Spektrum, von denen manche allerdings nur als Briefkastenfirmen einzustufen waren. Eine zentrale Rolle spielte die islamfeindliche Internetpublikation „Riposte Laique“ („Gegenwehr der Laizisten“) und deren Vorfeldorganisation „Resistance Republicaine“.

Schließlich tobte sich Mitte Dezember In Lyon der jugendliche Nachwuchs des Bloc Identitaire aus, der sich als Jugendsektion des Bloc etabliert hat. Die Jungen der Identitairen haben in Lyon etwa 50 Mitglieder, während die Erwachsenen nur etwa 10 Aktive haben. Geschätzt wird, dass jeder zweite der 2000 Anhänger der Bewegung in Frankreich unter 30 Jahren ist. In Lyon haben die Identitairen in ihrer Facebook-Gruppe mehr als doppelt so viele Mitglieder als die lokale Jugendfraktion der rechten UMP und mehr als 20 Mal so viele wie die Jungen Sozialisten. Beim Fackelmarsch in Lyon zu Ehren der Heiligen Marie ist immer wieder die Rede von dem „Gesindel“, das von außen komme und vor dem man sich schützen müsse. Aufkleber signalisieren, dass man in der „Anti-Gesindel-Zone“ sei oder „Gegen international, pro lokal“. In der Bibliothek des Vereinslokals „Traboule“ liest man Werke von Ernst Jünger und den „Weg zum Post-Nationalismus“.